LE | SHOPWATCH: Secret Closet

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Reine skandinavische Mode in ihrer besten Form.

Als ich an diesem Mittwochnachmittag den Shop Secret Closet im Leipziger Waldstraßenviertel betrete, fällt mir als erstes nicht das klare Interior-Design ins Auge, sondern vielmehr "Tennis Court" von Lorde aufs Ohr. Kathleen Neumann scheint nicht nur guten Geschmack in Sachen Mode zu beweisen, sondern auch musikalisch meinen Nerv zu treffen. Die Begrüßung ist herzlich, so wie jedes Mal, wenn ich den Laden betrete. Auch jetzt fühle ich mich einmal mehr wie zu Hause - und das liegt nicht nur an der sympathischen Shopbesitzerin, sondern auch an all den skandinavischen Labels, die man hier erstehen kann (wer mich kennt, weiß nämlich auch von meiner großen Liebe zu der Mode aus Dänemark, Schweden und Co.): mbyM, Day Birger et Mikkelsen, 2nd Day, Soul Made oder Black Lily. Deswegen habe ich Kathleen zum Interview gebeten und ihr Fragen rund um ihren Shop, skandinavische Mode, die Tätigkeiten einer Einkäuferin und ihre Lieblingslabels gestellt habe. 

 

Lola: Wie lang gibt es Secret Closet bereits und warum hast du dich damals für das Waldstraßenviertel entschieden?
Kathleen: Online waren wir schon seit Oktober 2011 präsent und in der Karl-Heine-Straße im Leipziger Westen mit einem ganz kleinen Konzept-Laden. Damals gab es Termine nur auf Einladung und das war für viele natürlich eine größere Hürde. Dann habe ich aber entschieden, dass ich greifbarer werden möchte. Aus einem Zufall heraus hat sich das Ganze dann entwickelt, denn auf dem Weg in die Stadt bin ich immer durch das Waldstraßenviertel gefahren und die Fassade des Shops hat mich jedes Mal unglaublich beeindruckt. Eigentlich wollte ich das noch gar nicht, aber manchmal ist es ja so, dass dein Schicksal zu dir ruft: „Guck mal, guck mal. Sieh mich an!“. Dann stand ganz groß oben drüber „Zu Vermieten“, ich dachte mir allerdings, dass es bestimmt schon weg sei – es war aber noch da, zum Glück. Wir haben dann im Januar mit dem Umbau begonnen und im Mai eröffnet. 

 

 

 

Lola: Kannst du mir noch etwas zum Konzept von Secret Closet erzählen? 
Kathleen: Mir geht es darum, reine skandinavische Sachen in ihrer besten Form zu verkaufen und das Bewusstsein zwischen billig und extrem teuer mit einem mittleren Preissegment zu vertreten. Außerdem ist es ja relativ unüblich in anderen Shops, dass man einen guten Service bekommt und ordentlich beraten wird. Man bekommt hier Sachen, die es nicht an jeder Ecke gibt. Dank meiner Zeit in Skandinavien ist es ein wirkliches Herzprojekt und eine Sache, die ich lebe. Das skandinavische Lebensgefühl, das in den Designs umgesetzt ist, ist auch ein Teil, wie ich mich definieren würde. Darum war es klar, dass ich das hier etablieren wollte. Und das Klientel hier ist dankbar dafür. Vor allem auch dafür, dass man am Tag genauso gut angezogen sein kann wie abends. Man schaut ja auch selbst als Frau, was man haben möchte – und ich möchte definitiv nichts "raushängen" lassen, sondern stilvoll angezogen sein und eine schöne Silhouette haben. Außerdem geht es um Details und nicht um einen riesigen, bunten Print. 

 

Lola: Woher kennst du die Labels, die du in deinem Shop verkaufst?
Kathleen: Die Marken habe ich während meiner Zeit in Hamburg durch einen Freund kennengelernt. Der hat dort einen Laden namens „Werkhaus“ in der Elbstraße. Thomas Hansen heißt er, ist tatsächlich Däne und hat damals mit einem rein skandinavischen Konzept begonnen. Inzwischen hat er seinen Schwerpunkt mehr auf die Italiener und Franzosen gelegt. Darüber wusste ich, dass ich mit den Labels arbeiten möchte. 

 

 

Lola: Was magst du am skandinavischen Stil?
Kathleen: Die zeitlose Eleganz, die nicht aufgesetzt ist. 

 

Lola: Du hast Modemanagement in Hamburg studiert und danach zwei Jahre lang in Kopenhagen gelebt. Was hast du dort gemacht? Wie hat dich diese Zeit geprägt?
Kathleen: Ich habe bei einer Marke gearbeitet, die ich selber führe: Soulmade.
Lola: Oh, interessant. 
Kathleen: Die Zeit hat mich insofern geprägt, als dass man gelassener ist und das Bewusstsein für Luxus, Genuss und die Balance zwischen Arbeit und Leben ein ganz anderes ist. Das ist dort ganz selbstverständlich, genauso wie die Dynamik der Jugendkultur. Für so ein kleines Land ist das beachtlich.
Lola: Das stimmt. Mode spielt dort ja auch eine viel größere Rolle – dort sind wirklich ALLE gut angezogen.
Kathleen: Definitiv, das ist sehr viel alltäglicher. Dieser „Sports-Street-Style“, den wir wir hier so haben, den hast du dort gar nicht.
Lola: Funktionalität!
Kathleen: Ja genau, wasserabweisend! (Lacht.) Trotzdem ist das alles unaufdringlich, die Leute sind unaufdringlich gut gekleidet. Es ist nicht so, dass man sich dort aufrüscht und aussieht wie Marie Antoinette, sondern alle sind ganz einfach GUT gekleidet. Besonders die Männer sind mir in Erinnerung geblieben, weil die meisten Anzüge tragen oder schönen Strick und tolle Schuhe. Außerdem sind die älteren Frauen viel mutiger und sie sehen toll aus dabei. 

 

Lola: Warum bist du wieder nach Leipzig zurückgekommen?
Kathleen: Meine Familie wohnt hier.
Lola: Dann waren zwei Jahre also genug?
Kathleen: Nein, eigentlich hätte ich auch länger da bleiben können. Aber das Hin und Her mit meinem Mann, der in Leipzig studiert hat, wurde auf Dauer zu anstrengend. Wir wollten einfach zur Ruhe kommen, einen Punkt setzen und ein Zuhause finden.

 

 

 

 

Lola: Besuchst du Modemessen und nutzt sie für den Einkauf deines Shops?
Kathleen: Ja, ich finde Messen ganz interessant, um mich zu informieren. Wenn der Vertrieb der Labels selbst noch nicht in Deutschland ist, fahre ich auch nach Kopenhagen. Das kombiniere ich meist auch mit einem Besuch von Freunden. Auch die Schweden sind dort stark vertreten, trotz ihrer eigenen Fashion Week, denn Kopenhagen ist definitiv das Zentrum Skandinaviens. Stockholm ist in der Branche nicht wirklich relevant. Trotzdem gehe ich lieber in Showrooms, da es dort ruhiger ist und man sich besser konzentrieren kann und mehr Platz hat.

 

Lola: Welche Trends gibt es für Frauen in diesem Winter?
Kathleen: Was ich bei uns im Shop sehe, ist definitiv eine schöne Sanduhr-Silhouette, viel Strick, auch mit Metallicfäden. Dünne Daunenjacken und Blusen spielen auch eine große Rolle.

 

Lola: Sind Labelneuzugänge geplant?
Kathleen: Ja, Tiger of Sweden. Von denen halte ich sehr viel, da sie über lange Zeit hinweg eine gute Qualität und ein tolles Design geliefert haben. Außerdem wird es Tiger of Sweden Jeans geben, was ein bisschen jünger ausgerichtet ist. Im PlusSize-Bereich sind wir auch tätig und da wird Carmakoma dazukommen. Generell fahre ich mehrere Saisons mit den gleichen Labels. MbyM ist beispielsweise eine Marke, die ich weiterhin drin behalten werde. Man muss ja auch nicht jeden Look mitnehmen: ein Label kann dir eine Kollektion zeigen und fünf Händler kaufen unterschiedlich ein. Jeder hat eine andere Definition und wenn die Kollektion gut ist, wird es viele unterschiedliche Facetten geben. 

 

 

 

Lola: Welches ist dein derzeitiges Lieblingsstück im Shop?
Kathleen: Mein Lieblingsstück ist ein schwarzes Kleid in Victoria Beckham Style mit eingearbeitetem Korsett, das eine tolle Silhouette zaubert. 

 

Lola: Was sind deine persönlichen Lieblingslabels?
Kathleen: Ich mag Rick Owens und Helmut Lang sehr gern, da sie vor allem mit Material arbeiten und ohne viel Schnick-Schnack einen extremen Fall hinbekommen und einen wahnsinnig guten Sitz. 

 

Lola: Was ist dein liebstes Kleidungsstück in deinem Schrank?

Kathleen: Ein Dior-Kleid in Rosa. Der obere Teil ist unter der Brust zusammengerafft und von dort fällt der Stoff ganz weich in vielen Lagen bis circa zum Knie. Hatte ich ewig nicht mehr an. (Lacht.)

 

Lola: Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Kathleen: Ich versuche mit meinem Mann aufzustehen, was 7 Uhr morgens ist – manchmal gelingt mir das, manchmal nicht. Dann mache ich Sport, Pilates oder Ausdauersport. Ich kümmere mich um unsere zwei kleinen Kaninchen, die auch schon mit mir in Kopenhagen waren. Dann gehe ich in den Laden und ich kümmere mich um die Produkte und Texte. Da muss eine Menge abgedeckt werden, gerade, wenn eine neue Kollektion kommt. Nach 19 Uhr bin ich dann zu nicht mehr viel in der Lage. Ich mag es einfach, mit Freunden etwas Essen zu gehen oder Freunde und Nachbarn zu besuchen. Und ich liebe es, auf der Couch zu liegen. (Lacht.) Außerdem lese ich wahnsinnig gern, schon seit der Grundschule. 

 

 

 

Lola: Gibt es etwas, das du den Leipzigern in Sachen Mode mit auf den Weg geben möchtest?
Kathleen: Offener und mutiger sein, sich mehr trauen und mal abseits der Wege gucken. Es dauert 21 Tage, bis sich der Körper an Veränderungen gewöhnt hat, d.h. wenn man 21 Tage beispielsweise kein Fleisch ist, dann hat er sich am 22. Tag daran gewöhnt. Also 21 Tage lang einfach mal etwas anderes machen, was anderes tragen. 

 

Da hat sie Recht und das perfekte Schlusswort geliefert. Nun bleibt mir nur noch allen Leipzigern ans Herz zu legen, Secret Closet umgehend einen Besuch abzustatten. Allen Nicht-Leipzigern kann ich übrigens den Online-Shop wärmstens empfehlen. Vielleicht findet sich dort auch noch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk. 

 

Secret Closet

Waldstraße 21, 04105 Leipzig

Öffnungszeiten: 

Mo bis Fr 11.00 - 19.00 Uhr

Sa 10.00 - 14.00 Uhr

 

    AUTHOR:
    LOLA

    Modemädchen durch und durch.

    Minimal Chic und New Sports ist ihr Metier, über Normcore und andere Phänomene der Mode kann sie nickend Romane erzählen und trotz Totalausfall beim Anblick der neuesten Laufstegbilder und Lookbooks ist die Dame nicht auf das Köpfchen gefallen. Lola liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.