Sieben Sachen: Vorsätze

Robert
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gossip
... die ich ohnehin nicht einhalten werde.

Alle Jahre wieder kommen nicht nur Geburtstage, der Osterhase und der verfickte Weihnachtsmann, sondern auch Silvester und damit verbunden alle verblödeten, vertrottelten Vorsätze, die als Motivator dienen sollen, das neue Jahr besser und klüger und stärker und schöner zu machen, als das Jahr davor. Als jemals zuvor. Soll ich euch was sagen? Das bin ich auch ohne Vorsätze.

 

Die einen schwören zum neunzigsten Mal, sie hören auf zu rauchen. Die anderen versprechen (Gott, oder ihrer Freundin, oder ihrem Spiegelbild, oder...), dass sie hundert Kilo abnehmen. Im Endeffekt rauchen Erstere rund hundertundzwanzig Zigaretten mehr, während Letztere fetter und fetter werden. So ist das Leben, Bitches. Liegt aber nicht daran, dass ihr Gott (whosoever) nicht gnädig sei, sondern einfach daran, dass die meisten Menschen faule Stücke sind, die sich gerne Dinge vornehmen, diese aber nicht bis zum Schluss durchziehen. Und da ich ja so ein positives Persönchen bin, dachte ich mir, dass ich mir all diese faulen Stücke zum Vorbild nehme und mir sieben Vorsätze vormache, die ich 2014 keine Sekunde lang einhalten werde.

 

eins. Rauchen.

Ich schwöre, wenn der Stress der Masterarbeit an meinen Nerven zu nagen droht (schätzungsweise Ende März, in Richtung Doomday 25.04.2014), dass ich nicht wieder zu rauchen beginne wie ein Schlot und mir selbst einrede, dass ich stark bin und hart und den Stress auch ohne Glimmstängel durchstehe. Ich werde im Angesicht des Stresses strahlen und ihm direkt ins Gesicht lachen und singen: "Nein, nein, nein - dich brauche ich nicht, oh holder Zündstab der Entspannung." Als ob.

 

zwei. Alkohol.

Bei allem was mir hoch und heilig ist - all das Burberry und Prada, das Chanel und Gucci, das Alexander McQueen und Victoria Beckham da draußen - verspreche ich, dass ich nicht versprechen werde, weniger zu trinken als 2013. Im Gegenteil: ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch mehr trinken werde, da ich schon Mal geplant habe, noch intensiver ins neue Jahr zu starten, als das letzte Mal. Demnach bewerbe ich mich bereits mit Januar um eine Spenderleber und tue so, als würde ich mir tatsächlich vornehmen, weniger zu trinken. Für mein Gewissen. Und für Jesus. Halt... hat er nicht Wasser zu Wein gemacht?

 

drei. Schuhe.

Nein, liebes Portemonnaie, ich werde keine 450 Euro mehr für Schuhe ausgeben. Nein, liebes, gutes Portemonnaie, ich flunkere nicht. Und ich halte auch nicht meine Finger verkreuzt oder Arme verschränkt. Das würde das Tippen erschweren. Meine Zehen mögen überkreuzt sein, aber dies auch nur, weil ich mich im Schneidersitz befinde (im Übrigen eine Überkreuzung der Beine, just sayin') und nicht, weil ich dich anlügen möchte, liebes Portemonnaie. Ich werde keine Schuhe mehr für 450 Euro kaufen. Aber für 390. Oder 400. Oder 490. Und auch wirklich nur dann, wenn es schöne Schuhe, gute Schuhe, besonders tolle Schuhe sind.

 

vier. VOGUE.

2014 werde ich mir keine VOGUE kaufen. Um die Bäume zu retten, die für das Abdrucken meiner Lieblingsmode blutrünstig ermordet werden.

2014 werde ich mir keine VOGUE kaufen. Um ein wenig Geld zu sparen, denn 10,90 Euro für die US VOGUE pro Monat kommen auf 130,80 Euro & 11,90 Euro für die britische Version auf 142,80. Das sind fast ein Paar Armani Schuhe.

2014 werde ich mir keine VOGUE kaufen. Sollte ich am 31. Dezember 2013, Schlag Mitternacht, tot umfallen.

 

fünf. Schlafen.

Ich weiß, Schlafen ist wichtig. Und ja, auch ich finde Schlafen ab und an auch echt schön und entspannend und schön entspannend. Aber, wie sehr habe ich diese Nächte geliebt, in denen ich mir vorgenommen habe, um zehn zu Bett zu gehen und dann saß ich um zwei Uhr morgens noch immer in meinem Bett oder auf meiner Couch, mit einem Glas Wein oder Whiskey oder Gin und habe eine Folge Friends oder Buffy oder Revenge oder Scandal oder Gossip Girl oder Pretty Little Liars oder Sex and the City oder Lipstick Jungle oder Homeland oder Awakward oder South Park oder American Horror Story oder The Golden Girls oder Hot in Cleveland geschaut. Mein Leben wäre weniger schön, würde ich das aufgeben. 2014: You can suck it. Ich schlafe, wenn ich tot bin.

 

sechs. Kochen.

Meine Küche ist quasi unbenutzt. Wäre ich Carrie Bradshaw, würde ich behaupten, dass ich meinen Backofen dafür benutze, meine Pullover zu verstauen. Das wäre gelogen. Meine Pullover sind viel zu schön, um sie nicht in meinem offenen Kleiderschrank strahlen zu lassen. Ich habe mir oft vorgenommen, dass ich gerne mehr kochen würde und mir auch die Zeit dafür nehme. Und ich nehme es mir auch gleich Mal für 2014 vor. Dies wird mein Gourmet-Jahr. Ich kann es regelrecht spüren.

 

sieben. Charakter.

Man munkelt, dass ich manchmal ein wenig zu sarkastisch oder zu zynisch bin. Und dadurch wirke ich oft ein wenig unsympathisch (Ihr erinnert euch bestimmt noch an mein erstes Posting). Ich behaupte oft, dass ich darüber nachdenke, netter zu werden, beziehungsweise meinen Humor in eine andere Richtung zu drehen. Aber, wenn ich ehrlich bin, no Chance. Ich mag meine "dunkle Seite", die Hitlerwitze erzählt oder sich über Natascha Kampusch lustig macht, oder manchmal einfach nur inappropriate ist. All die andere Zeit bin ich ohnehin furchtbar ernst und konservativ. Da kann ich doch beim Humor den Krawattenknoten ein wenig locker lassen. Bis jemand weint.

 

Und was habt ihr euch so vorgenommen?

 

XO - R

 

    AUTHOR:
    ROBERT RJ SCHERMANN

    Versteht nur Prada.

    Dies jedoch fließend, neben Burberry und VOGUE. Seine Texte entstehen immer in spontanen Situationen und zumeist auch bei Alkohol. Mode ist für ihn kein Wort, sondern ein Lifestyle, eine Entscheidung, die man lebt und atmet. In diesem Sinne gibt es für ihn, neben der Eroberung der Welt, vor allem ein Ziel – die Chefredaktion der amerikanischen VOGUE.