Krempel der Woche: Meine Tasche & Ich

laura
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Das Ding auf unserer Schulter.

Zeige mir deine Tasche und ich sage dir, wer du bist. Das Verhältnis von Frau zu ihrer Tasche ist schon so eine ganz eigene Angelegenheit. Von klein auf bekommen wir vorgelebt, dass der Beutel auf der Schulter ein essentielles Ding der Zurschaustellung von Weiblichkeit sei. Und wir glauben das nur zu gerne, schließlich trägt Mama ja auch immer eine mit sich herum. Also fangen wir früh an zu üben, indem wir mit den ausrangierten Modellen von Mutter und Oma spielen, ehe wir uns mit Beginn der Pubertät endlich unser erstes, eigenes Exemplar zulegen. Ich erinnere mich noch ziemlich genau, wie stolz ich damals auf meine erste Handtasche war. Ein mittelgroßes Ding in Form einer Bowlingtasche aus dunkelblauem Jeansstoff und leuchtend-pinken Plastikappilkationen und Griffen. Nun gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und sowieso, es waren die 90er. Jedenfalls war ich zu dieser Zeit vollkommen unwissend, dass mit dem Kauf dieser ersten Tasche gleichzeitig ein langer Leidensweg beginnen würde. Denn, wenn wir ehrlich sind, sind unsere Taschen oft gar nicht so praktisch, wie sie uns weiß machen wollen, sondern zehren ziemlich an unseren Nerven. Wie beneiden wir doch manchmal die Herren darum, dass sie Handy und Portemonnaie einfach lässig in der Hosentasche verschwinden lassen können und im Alltag praktisch immer beide Hände frei haben. Aber sobald wir es dann auch nur versuchen, für eine kurze Zeit einmal ohne Aufbewahrungsanhang das Haus zu verlassen, fühlen wir uns auf absurd-merkwürdige Weise irgendwie nackt. Und wohin überhaupt mit all unserem Zeug?

 

Unser Problem mit der Tasche ist im Prinzip ein althergebrachtes. Etwa seit dem 15. Jahrhundert macht Frau sich das zuvor nur von Männern getragene Beutelchen zu eigen. Schnell bilden sich dann auch die ersten Variationen aus. Heute können wir aus einer kaum noch überschaubaren Vielfalt an Modellen wählen. Clutch, Shopper, Umhängetasche, Tote, Rucksack, Bauchtasche. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und selbst, wenn wir uns in diesem Punkt entschieden haben, stellt sich schnell die zweite Frage: No Name oder Marke und wenn ja, welche? MCM, Picard, Bree, Louis Vuitton, Chanel und wie sie alle heißen. Oder greife ich besser gleich zum Jutebeutel oder Rucksack. Wieder gilt, die getroffene Auswahl sagt so einiges über die Weltansicht ihrer Trägerin aus – zumindest verkaufen es uns Labels, Marken und Gesellschaft so. Wer geschickt ist, vermeidet die Entscheidungsfrage bestmöglich, indem er sich von Anfang an so viele unterschiedliche Taschen wie möglich zulegt. Ist ja schließlich eine Art weibliches Statussymbol, genauso wie Schuhe. Man kann davon ja wirklich, wirklich nie genug haben.

 

 

Grundsätzlich steht am Anfang einer jeden Handtasche aber noch eine andere, nicht weniger essentielle Frage: Welcher Taschen-Größen-Typ bin ich eigentlich? Da gibt es jene Frauen und Mädchen, die auf kleine Taschen setzen. Diese Damen quetschen alles, was sie so über den Tag brauchen, in einen klitzekleinen Beutel, der manchmal nicht viel größer scheint, als eine Geldbörse. Wie sie all ihren Kram dort unterbekommen, ist mir immer wieder ein Rätsel. Aber sie müssen schon ziemlich praktisch veranlagt sein, wenn sie wirklich alles in einem dieser winzigen Dinger unterbekommen. Vielleicht geben sie sich aber auch nur einfach mit weniger zufrieden.


Der zweite Typ - und ja zu dieser Gruppe zähle auch ich - tendiert dazu, eine Tasche mit sich herumzutragen, die in etwa der eigenen Körpergröße entspricht. Frei nach dem Motto "Mehr ist manchmal mehr" schleppen wir tagein, tagaus munter einen Beutel mit uns herum, in dem wir im Notfall praktisch wohnen könnten. Und weil das Ding schon so viel Platz bietet, packen wir auch alles Zeug hinein, von dem wir glauben, dass wir es über den Tag hinweg vielleicht gebrauchen könnten. Das ist praktisch, keine Frage, wobei man jetzt durchaus streiten könnte, ob wir, die Frauen des Typ 2, am Ende vielleicht einfach chronisch unentschlossen sind. Denn egal wie viel wir dabei haben, irgend etwas haben wir schließlich doch immer vergessen oder wir finden es nicht. Denn wieso die eingenähten Extrataschen benutzen, wenn wir unseren Schlüssel doch schnell auch einfach so hineinwerfen können? So betrachtet sind wir vielleicht einfach nur chaotisch. Vielleicht unterscheidet uns genau das von den Trägerinnen kleiner Täschchen. Sie müssen organisiert und ordentlich sein, anders würden sie wohl auch gar nicht alles Nötige verstauen können. Doch eine große, vollgestopfte Tasche bringt noch ein ganz anderes Problemchen mit sich. Frau, die ihren Haushalt mobil macht, schleppt. Spätestens, wenn sich nach der ersten Stunde unterwegs tiefe dunkle Striemen auf unserer Schulter abzeichnen, verfluchen wir das Ding an unserem Arm.

 

Am Ende stellt sich also die Frage, warum wir uns das mit der Taschentragerei eigentlich trotzdem gut und gerne jeden Tag aufs Neue antun? Männern z.B. ist unsere Liebelei mit dem Ding jedenfalls auch von Grund auf ein Rätsel und wenn sie uns über den tieferen Sinn der Permanenttragerei fragen, fällt es uns eigentlich auch nicht ganz leicht, ihnen eine passende Antwort zu liefern. Irgendwie können wir halt einfach nicht ohne unser Beutelchen. Und eigentlich ist es doch auch ganz schön ein wenig Zuhause immer dabei zu haben. Wir sollten uns nur klarmachen, warum wir welche Tasche wann tragen und manchmal, ob weniger nicht eben doch mehr ist.

 

    AUTHOR:
    LAURA SODANO

    Lebe lieber ungewöhnlich.

    Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Was für die einen nach Schizophrenie par Exellence klingen mag, ist für sie selbstverständlich. Die Dame, die mindestens so gerne und schnell redet, wie sie denkt, sprudelt nur so vor kreativem Kopfchaos, von dem ihr Umfeld selten verschont bleibt. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit pointierter Artikulation ihre Waffe. Schokolade ihr Laster. Bei Mode und Literatur setzt ihr Verstand nur zu gerne aus.